Soll ich oder soll ich nicht?

 

Ich habe eine App, in der ich jeden Tag Fragen zu meiner Stimmung beantworte. Gestern oder vorgestern war die Frage : Denken sie in letzter Zeit öfter über den Tod nach? Zu beantworten.

Ich musste sie mit ja beantworten. Danach kam ein entworfenen Chat, wo mir eine Nummer angegeben wurde oder die Möglichkeit, einen fertigen Text an eine Vertrauensperson zu schicken.

Ich habe beides nicht gemacht.

Freunde? Welche sind damit gemeint? Die Schulfreunde, die sich nach meinem „Depressionsouting“ nie wieder nach meinem Befinden erkundigt haben und wenn wir überhaupt reden nur über ihr stressiges Leben mit Prüfungen und Familie berichten?

Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass ich momentan keine Freunde habe.

Ich habe meine Familie und meinen Freund.

Soll ich zu denen gehen und sagen

“ Hey, cool,dass wir uns nach Wochen wieder sehen! Ich habe letztens über Erhängen nachgedacht, und du so? Wie läuft der Alltag?“

Ich habe noch eine Situation ganz genau in Erinnerung, das war am Anfang diesen Jahres, als meine Familie mit mir kaputt gegangen war. Ich konnte es kaum ertragen, wie sehr sie alle darunter gelitten haben. Wie bitterlich meine ganze Familie geweint hat und keinen Ausweg mehr wusste, als ich ihnen sagte, dass ich sterben will.

Das kann und werde ich ihnen hoffentlich nie wieder antun, es fühlt sich so egoistisch an, dass ich sie da mit reingezogen habe in dieses schreckliche, dunkle Loch der Hilflosigkeit und Angst.

Und jetzt wird mir vorgeschlagen, mit ihnen darüber zu reden? Wie ich mir vorstelle, meine Schlaftabletten alle auf einmal zu nehmen? Mich erhängen möchte? Soll ich ihnen wirklich von dem drängenden Impuls berichten, jedes Mal wenn ein schnelles Transportmittel an mir vorbei fährt? Ich einen Lieblings- Freitod – Baum habe, an den ich jedes Mal denke, wenn ich im Auto sitze, obwohl ich nicht Mal fahre?

Es gibt so viele mögliche Varianten für mich und so viele Möglichkeiten, sie durchzuführen. Und der Drang ist manchmal so stark, dass mich nur der Gedanke an meine weinende Mutter mich davon abhält.

Sie hat so viel durchgemacht, meine Mama. Ich habe das Gefühl, für so vieles davon verantwortlich zu sein, mich um sie kümmern zu müssen. Es war schrecklich für mich die erste Zeit weg von zu Hause, ich hatte das Gefühl, sie im Stich gelassen zu haben und nicht mehr für sie da sein zu können,wenn sie mich braucht. Aber in meinen schwachen Momenten denke ich mir, dass sie so viel besser ohne mich dran wäre. Sie müsste sich nicht mehr so viele Sorgen um mich machen, hätte keine schlaflosen Nächte mehr, weil sie Angst um mich hat. Sie könnte die energie, die sie für mich opfert, für so vieles anderes gebrauchen, ich bin eine Last, die sie schon mein ganzes Leben mit sicher herum trägt. Immer mache ich ihr Kummer, immer habe ich irgendetwas, weshalb sie sich Sorgen muss. Das wäre alles vorbei.

Und mein Freund, mein toller freund. Immer kümmert er sich um mich, ist für mich da, wenn ich traurig bin, räumt mir Sachen hinterher, passt auf meine Termine auf. Soll ich ihm sagen, dass die Kratzer absichtlich sind? Soll ich ihm die ganze Last meiner Gedanken auf seine Schultern legen, die schon so viel tragen? Das schaffe ich nicht, das kann ich ihm nicht antun.

 

Was soll ich tun? Letztens hatte ich ein Gespräch mit meinem Psychiater. Er will, dass ich wieder in die Klinik gehe. Dabei habe ich mir doch gerade ein Leben aufgebaut. So halb jedenfalls. Soll ich meinen neuen Job schmeißen und mich einweisen lassen? Was ist mit der Ausbildung, die bald anfängt? Eine 20-jährige ohne alles mit viel Depression. Sieht super aus auf dem Lebenslauf. Ich hatte mir ende 2016 das Jahr 2017 zugesagt, um mich zu stabilisieren und mein Leben auf die Reihe zu bekommen. Habe ich super gemacht, Erfolgsquote 0%.

Was soll ich jetzt machen?

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