„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“

Ich bin blind. Jedenfalls so gut wie.

Ich konnte bis jetzt immer nur schemenhaft erkennen, was mich umgab. Was auch die vielen Beulen und blauen Flecke erklärten, die ich immer fleißig sammelte. Und es erklärte die Tollpatschigkeit, die mich wie mein Schatten verfolgte. Könnte ich den Schatten bloß klar erkennen!

Aber das hat jetzt alles sein Ende.

Die Hand meiner besten Freundin Tia haltend, sitze ich in einem Warteraum.

In Dem Warteraum.

Der, der mich noch von meiner Fähigkeit zu Sehen trennte.

„Bist du aufgeregt? Ich bin aufgeregt, und wie! Das wird ein magischer Moment, das sage ich dir!“

Tia saß nicht nur auf dem Stuhl, sie hüpfte fast vor Freude.

„Es gibt so viele schöne Sachen, die ich mir mit dir ansehen will! Und dann wirst du es auch genießen können, die Farben, das Licht, die Schönheit von Architektur und Kunst! Oh Lia, das wird ein großartiger Moment, ich habe schon so viel für uns geplant, wenn doch endlich Ferien wären!“

Ich lächelte in die Richtung des dunklen Flecks, den ich durch meine schwarze Brille kaum ausmachen konnte.

„Bleib ganz ruhig, wir wissen ja noch nicht mal, ob es dieses Mal wirklich klappt.“

Ich spielte die Ruhige, aber in meinem Innersten war ich mir sicher, das ab dem heutigen Tage für mich alles anders sein würde. Ich könnte dann endlich Farben sehen, nicht nur grau und schwarz. Ich könnte meine beste Freundin ansehen, meinen Vater, die bis jetzt nur ein schwarzer Fleck im grau waren.

Der Arzt soll ein Spezialist auf seinem Gebiet sein.

Angeblich hatte er einen Prototypen entwickelt, der den Lichteinfall ins Auge selbst steuern kann. Dieser wird an den inneren Augenmuskeln befestigt, die der Arzt irgendwie aktivieren will, keine Ahnung wie.

Und dann sind da noch die Stäbchen, die wieder hergestellt werden müssen. Dadurch, dass ich keine Pupillenreflexe habe, wurden sie durch zu viel Lichteinfall beschädigt, so das ich keine Farben mehr sehen konnte. Sie arbeiten eigentlich bei wenig Licht, also in der Nacht oder Dämmerung.

Und er will versuchen, mir Zapfen-Ersätze zu implantieren, mir die Farben schenken.

Das wäre das größte Wunder für mich.

Nie wieder eine dunkle Brille tragen müssen, um den Lichteinfall ein zu schränken, nie wieder gegen Tische oder Wände laufen.

Nie wieder in der Schule ausgelacht werden.

Eine Schwester kam in den Wartebereich.

„Bist du soweit, Liana?“

Tia drückte nochmal meine Hand, ich holte noch ein Mal tief Luft und nickte dann in Richtung der Schwester. Wir hatten uns schon vor einiger Zeit kennen gelernt, ich musste unzählige Tests durchmachen und war hier ein Dauergast.

Nun stand ich auf, ließ mich von ihr unterhaken und lief dem Operationssaal zu.

plötzlich fand ich das alles ziemlich ironisch.

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit….“

 

 

 

 

 

 

 

mitgenutzte Quelle:

https://www.blickcheck.de/auge/funktion/sehen/

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